Mittwoch, 24. Juni 2009

Peinlich...

...ist ein Fehler, der mir im letzten Post unterlaufen ist. Ich habe dort behauptet, bei dem Teilnehmer der UFC 99, Dennis Struve handle es sich um einen Deutschen. Der Mann ist aber Holländer!

Samstag, 20. Juni 2009

UFC 99 in Köln

Juhu! Die UFC ist in Deutschland angekommen! Man verzeihe mir, dass ich über eine Veranstaltung, die bereits am 13. Juni stattgefunden hat, erst am 20. Juni schreibe, aber vielleicht hebt das ja die Qualität der Reflexion darüber, weil es eine Zeit lang gedauert hat, die Ereignisse in der nötigen Tiefe zu verarbeiten...was weiß ich... .

Nachdem es im Vorfeld die zu erwartenden hitzigen Diskussionen gab, in denen von einigen Kritikern bereits der Untergang des Abendlandes prophezeit wurde, der mit der Einführung der gelegentlich blutigen Kämpfe in diesem Teil des alten Europa quasi unausweichlich bevorstünde, fand die Veranstaltung wie geplant am 13. Juni in der Lanxess-Arena in Köln statt. Letztere war mit 12.000 Besuchern ausverkauft, nachdem zwei Tage zuvor in der Fernsehsendung "Kulturzeit" über eine halbleere Lanxess-Arena spekuliert wurde. "Was ist, wenn Deutschland einen neuen Prügelsport hat und keiner geht hin?", wurde dort zum Abschluss des Beitrages ein wenig höhnisch georakelt. Dass die Veranstaltung zumindest hinsichtlich der Besucherzahlen dann doch ein voller Erfolg war, freute den MMA Fan wie auch den Autor dieses Posts.

Die Qualität der Kämpfe war insgesamt , von wenigen Ausnahmen abgesehen, gut, wobei insbesondere der Hauptkampf mit einem "Standup-War" der beiden Legenden Silva und Franklin gute Unterhaltung bot. Die deutschen Kämpfer schlugen sich insgesamt wacker, zwei von den dreien konnten Ihre Kämpfe gewinnen, wobei insbesondere der Mannheimer Dennis Siver einen souveränen Kampf zeigte, den er in der ersten Runde per Rear Naked Choke beenden konnte. Ein extrem blutiges Match lieferten sich Stefan Struve und Denis Stojnic. Ersterer wurde am Boden liegend durch das Ground and Pound seines Gegners verletzt und zog sich eine Platzwunde am Kopf zu, welche extrem stark blutete und am Käfigboden regelrecht zur Lachenbildung führte. Stefan zeigte aber enorm viel Herz und konnte den Kampf doch noch für sich entscheiden.

Kämpfe wie der oben beschriebene sind es insbesondere, welche die Kritiker des MMA auf den Plan rufen. Erstens ist es ein im Sport ungewohntes und für den erstmaligen Betrachter sicher abschreckendes Bild, einen Kämpfer auf dem anderen sitzen und auf dessen Kopf schlagen zu sehen. Zweitens rufen die dünneren MMA-Handschützer im Vergleich zu Boxhandschuhen leichter oberflächliche Verletzungen am Gesicht hervor, was im Vergleich zum Boxsport häufiger zu blutigen Kämpfen führt. Die Möglichkeit, Ellenbogen- und Knietechniken einzusetzen, tut hierbei ein Übriges. Abgesehen davon ist MMA ein wesentlich sichererer Sport als Boxen, was sich unter anderem in der signifikant geringeren Anzahl an Todesfällen zeigt. Ein Großteil der MMA-Kritiker nimmt solche Fakten aber kaum zur Kenntnis, sondern diskutiert von Emotionen geleitet. Das führt dann schonmal zu Verbotsforderungen, welche dann aber konsequenterweise auch auf andere Vollkontaktkampfsportarten wie etwa das Boxen ausgedehnt werden müssten.

Sicher ist MMA nicht jedermanns Sache und eine Diskussion über den Sport ist sinnvoll. Allerdings ist eine Mindestanforderung, dass sie von Seiten der Kritiker mit einem Mindestmaß an Fachkenntnis geführt wird.

Sonntag, 24. Mai 2009

Shotokan for the Win!

Und da sage noch einer, Shotokan sei im Käfig nutzlos! Wir sind Weltmeister!

Dienstag, 17. Februar 2009

Die Todfeinde des Sports

Den folgenden Text von Berthold Brecht habe ich hier im Web gefunden.

Der Sport hat hauptsächlich zwei Feinde, die ihm wirklich gefährlich werden können.

Erstens sind da die Leute, die aus ihm mit aller Gewalt eine hygienische Bewegung machen wollen.
Diese Sorte von Leuten arbeitet mit Vorliebe unter der Devise, Sport sei gesund, und versucht damit, in den Schulen und auch durch populäre Literatur das, was an wirklichem Sportgeist in den jüngeren Leuten steckt, für alle Zeiten zu ruinieren. Selbstverständlich ist Sport, nämlich wirklicher passionierter Sport, riskanter Sport, nicht gesund. Da, wo er wirklich etwas mit Kampf, Rekord und Risiko zu tun hat, bedarf er sogar außerordentlicher Anstrengungen des ihn Ausübenden, seine Gesundheit einigermaßen auf der Höhe zu halten. Ich glaube nicht, dass Lindbergh sein Leben durch seinen Ozeanflug um zehn Jahre verlängert hat. Boxen zu dem Zweck, den Stuhlgang zu heben, ist kein Sport. Der Zweck des Sportes ist natürlich nicht körperliche Ertüchtigung, sondern der Zweck körperlicher Ertüchtigung kann Sport sein.

Der zweite Hauptgegner des Sports ist der wissenschaftliche Fimmel.
Hierher gehören leider meistens mit besonderer Unterstützung der Presse die krampfhaften Bemühungen einiger »Kenner«, aus dem Sport eine Art »Kunst« zu machen. Diesen Kennern wächst jetzt schon wieder auf der bloßen Hand eine ganze Nomenklatur von Fachausdrücken, und die Tendenz geht immer mehr aus l'art pour l'art.

Im Boxsport äußert sich diese sportsfeindliche Tendenz in der Propagierung des Punktverfahrens. Je weiter sich der Boxsport vom K. o. entfernt, desto weniger hat er mit wirklichem Sport zu tun. Ein Boxer, der seinen Gegner nicht niederschlagen kann, hat ihn natürlich nicht besiegt. Sehen Sie sich zwei Männer an einer Straßenecke oder in einem Lokal einen Kampf liefern. Wie stellen Sie sich hierbei einen Punktsieg vor? Die Haupt-Todfeinde des natürlichen naiven und volkstümlichen Boxsportes sind jene Gelehrten, die an den Seilen sitzen und in ihre Hüte hinein Punkte sammeln.

Sie verstehen mich: je »vernünftiger«, »feiner« und »gesellschaftsfähiger« der Sport wird, und er hat heute eine starke Tendenz dazu, desto schlechter wird er.


Mittwoch, 31. Dezember 2008

P/PK im Sport

In seinem Buch "Die sieben Wege zur Effektivität" (englischer Originaltitel: "The Seven Habits of Highly Effective People") beschreibt der Unternehmensberater Stephen Covey verschiedene Prinzipien, die für effektives Handeln im beruflichen wie privaten Bereich unabdingbar sind. Ein zentrales Prinzip ist dabei das P/PK-Gleichgewicht.

P steht hierbei für die Produktion der gewünschten Ergebnisse, PK für die Produtionskapazität. Als Beispiel führt Covey Aesops Fabel von der goldenen Gans an. Die Fabel in Kurzform (keine literarischen Ansprüche, bitte!): Ein Bauer entdeckt, dass eine seiner Gänse goldene Eier legen kann. Durch diese goldenen Eier wird der Bauer sehr reich. Gierig geworden, beschließt er, die Gans zu töten, um ihr sofort alle goldenen Eier zu entnehmen. Er findet aber heraus, dass die Gans leer ist. Sie nützt ihm nur wenn sie lebendig ist. Der Bauer legt eine ähnliche Geisteshaltung zutage wie die Banker, die für die Finanzkrise mitverantwortlich sind. Wer nur auf P wertlegt, ohne PK zu beachten, wird langfristig scheitern. Die Gans in der Fabel ist selbstverständlich derjenige Faktor, der PK ausmacht. Ohne sie gibt es langfristig kein P.

Das Prinzip der P/PK-Balance lässt sich global auf das Leben anwenden, aber auch spezifisch auf die Welt des Sports. P steht hierbei für die gewünschten Ergebnisse, etwa eine bestimmte Platzierung in einem Karate-Wettbewerb, ein bestimmtes Gewicht beim Kreuzheben oder das Absolvieren eines Marathons. Wer sich hierbei nur auf P konzentriert, wird scheitern oder aber seine Ziele nur unter Inkaufnahme gesundheitlicher Schäden erreichen. Wer nur für den Karate-Wettkampf trainiert, nicht auf ausreichend Regeneration achtet und körperliche Signale missachtet, die eine Pause oder einen anderen Trainingsansatz nahelegen, der wird durch Gelenkprobleme und Übertrainingssymptome bestraft. Wer nur Kraftdreikampf trainiert, ohne ergänzende Übungen, Gelenkmobilität etc., der wird mittel- bis langfristig schwere Dysbalancen entwickeln. Wer nur läuft, um die Marathondistanz zu schaffen und kein ergänzendes Krafttraining macht, der wird ebenso von Gelenkverletzungen geplagt sein und sehr wahrscheinlich einen schlechten Laufstil entwickeln.

Also, ich habe hier einen Vorsatz für Euch für´s neue Jahr: Achtet auf Euere PK! Euer Körper, die goldene Gans des Athleten, wird es Euch danken!

Mittwoch, 10. September 2008

Über Balance

Nein, das wird kein Fitnessartikel, in dem ich Euch Tipps gebe, wie Ihr Euere Balance verbessern könnt. Über das Thema gibt es ohnehin nicht viel zu sagen, finde ich. Körperliche Balance ist ne recht spezifische Sache. Wenn Ihr z.B. bei einer bestimmten Fußtechnik Probleme mit dem Gleichgewicht habt, dann ist es am besten, wenn Ihr genau diese Technik übt, gerne auch langsam. Mit der Zeit wird´s dann sicher besser. Irgendwelche aspezifischen Übungen sind m.E. nicht nötig.

Eigentlich wollte ich über Balance eher in einem "spirituellen", "ganzheitlichen" Sinne schreiben (ich mag diese Wörter nicht, aber ich finde keine besseren Alternativen). Im Zazen geht es z.B. um diese (allerdings auch körperliche) Balance. Auch in den Kampfkünsten kann man sie im Training erreichen. Brad Warner findet in einem seiner Bücher eine recht gute Erklärung dafür, warum wir uns gerne an Orten aufhalten, an denen es laut ist oder an denen "Action" in irgendeiner Form geboten wird, z.B. auf Rockkonzerten oder bei einem Boxkampf: Sobald es irgendwo wild zugeht, sind wir sofort "bei der Sache", werden aufmerksam und sind nicht mehr ständig mit unseren Gedanken beschäftigt. Wir sind in Balance, und diesen Zustand genießen wir. Wir sind einfach genetisch so programmiert, dass wir auf Lärm und Trubel auf diese Weise reagieren. Ein Erbe aus der Zeit, in der sich unsere Vorfahren noch in einer natürlichen, wilden Lebensumwelt bewegten. Wer sich vom Gebrüll eines Säbelzahntigers nicht aus seiner Grübelei reißen ließ, der war sehr schnell tot.

Diese Form der Balance stellt sich auch quasi automatisch ein, wenn man sich in einer Kampfsituation befindet. Deshalb macht Sparring so viel Spaß. Allerdings ist der Übertrag dieses Balancezustandes auf den Alltag dann doch eher begrenzt. Man ist immer auf irgendeine Art von Lärm oder Bewegung angewiesen und fühlt sich im Alltag in äußerlich ruhigeren Situationen nicht so ausgeglichen. Hier kommt die Praxis des Zazen ins Spiel. Es ist ungleich schwieriger, Balance zu erlangen, indem man im Lotussitz dahockt und eine Wand anstarrt. Doch die Balance, die man dabei erhält, ist viel umfassender. In einem gewissen Sinne ist Zazen zu praktizieren viel härter, als an einem MMA-Kampf teilzunehmen. Wie gesagt: in einem gewissen Sinne. Ich praktiziere zwar regelmäßig Zazen, würde aber nach den ersten harten Treffern in einem MMA-Kampf davonlaufen und nach meiner Mami schreien. Es gibt halt noch viel zu tun... .

Sonntag, 24. August 2008

Hey Trainer, was muss ich können?

Was weiß ich, ich bin ja gar kein Trainer. Aber na gut, wenn Du so schön fragst, werd ich mal eine Antwort versuchen. Teilweise habe ich die Frage ja schon in meinem Beitrag namens "Basics, Baby" beantwortet. Tenor: Man muss weniger können, als die meisten denken. Gleichzeitig muss man mehr können, als die meisten denken. Hä? Wie bitte? Worum geht´s hier eigentlich? Was können?

Nun gut, bevor hier völlige Verwirrung ausbricht, nochmal von vorne: Es geht natürlich wieder mal ums (unbewaffnete) Kämpfen. Um meine Haltung dazu, wieviele und welche Techniken man lernen muss oder soll, um als Kämpfer gelten zu können. Meine Meinung dazu ist erschreckend trivial. Aber ich habe das Gefühl, sie trotzdem äußern zu müssen, weil es einige Honks da draußen immer noch nicht kapiert haben. Einmal gibt es da die Forderung nach Beschränkung. Über sie habe ich in "Basics, Baby" schon genug gelabert. Das mit der Beschränkung darf man aber nicht zu weit treiben. Während es durchaus Sinn macht, sich etwa im Standkampf auf nur wenige grundlegende Techniken zu konzentrieren, sollte man sich nicht so weit limitieren, dass man einzelne oder mehrere Distanzen auslässt.

Oft wird MMA-Kämpfern vorgeworfen, sie wollten eierlegende Wollmilchsäue sein oder, im anglistischen Sprachraum, "Jacks of all trades". Das sind deutlich negative, ironische Bezeichnungen. Es gibt eben keine eierlegende Wollmilchsau und der Jack of all trades ist gleichzeitig ein master of none. An der Vielseitigkeit, was die verschiedenen Distanzen betrifft, wie Schlagdistanz, Ringkampf und Bodenkampf, führt aber leider kein Weg vorbei. Ein Golfer wäre schlecht beraten nur das Putten zu üben und Distanzschläge fortan zu meiden. Er würde zwar ein meisterhafter Putter werden, aber kein Turnier mehr gewinnen, weil er in den anderen, wichtigen Bereichen des Spiels mit den anderen, vielseitigeren Sportlern nicht mithalten könnte. Was beim Golfen so offensichtlich ist, sehen in den Kampfkünsten viele nicht ein. Ich kapier´s nicht... .

Sicher ist es legitim, sich nur auf das Muay Thai zu konzentrieren, wenn das Ziel die Teilnahme an Muay Thai-Kämpfen ist. Und mit Sicherheit ist ein Thaiboxer, der lediglich diese Sportart ausübt, in einem "echten" Kampf ein ernstzunehmender Gegner. Trotzdem hat er ein Problem, wenn es zu einem Gerangel kommt, und der Kampf am Boden endet. Er hat für den Bodenkampf weder die Balance, noch das technische Können, noch - und das ist am wichtigsten - die Erfahrung die Stunden und Stunden des Rollens mit sich bringen. Wie sagte Matt Thornton mal: "A guy with no ground skills is not much of a fighter." Stimmt schon. Gleiches gilt natürlich umgekehrt.